Grundlage / Architekturverständnis

Enterprise-Infrastruktur-Zielbild und Gesamtlandkarte

Dieses Kapitel erklärt Infrastruktur nicht als Produktliste, sondern als Schichtenmodell für fachliche Fähigkeiten: Anwendungen, Plattformen, technische Dienste und Betriebsnachweise.

Diagramm

Fachlicher Einstieg

Enterprise-Infrastruktur existiert nicht zum Selbstzweck. Sie ermöglicht Geschäftsprozesse: Kunden bestellen, Partner integrieren sich, Rechnungen werden erstellt, Daten werden geschützt und Systeme bleiben auch bei Fehlern betreibbar.

Technisches Schichtenmodell

Eine belastbare Infrastruktur besteht aus Standort, Strom, Kühlung, Rack, Compute, Netzwerk, Storage, Betriebssystem, Virtualisierung, Container-Plattform, IAM, PKI, Observability, Backup und Governance.

Verständnisregel

Jede Komponente muss fünf Fragen beantworten: Was leistet sie fachlich? Welche Schnittstellen hat sie? Wie wird sie geändert? Wie wird sie überwacht? Wie wird sie wiederhergestellt?

Enterprise-Tauglichkeit

Enterprise-tauglich heißt standardisiert, automatisiert, sicher, beobachtbar, wiederherstellbar und dokumentiert. Eine einzelne schnelle Lösung ist noch keine Plattform.

Ausführliche Beispiele

Capability Map eines Bestell- und Abrechnungssystems

business_capability: "24x7 Order & Billing"
required_infrastructure_capabilities:
  reachability: DNS + Load Balancer + Firewall Regeln
  runtime: OpenShift Worker Nodes + VM Cluster
  persistence: Datenbank Storage + Snapshots + Backup
  integration: Message Broker + API Gateway + Partner DMZ
  security: IAM + TLS + Secrets + Audit Logs
  operations: Monitoring + SLO + Runbooks + DR Test

Minimaler Architekturentscheid als ADR

# ADR-001: Standardisiertes Plattformmodell

## Entscheidung
Neue Enterprise-Anwendungen werden bevorzugt auf der Container-Plattform betrieben. Legacy-Systeme bleiben zunächst auf VMs, werden aber über definierte Schnittstellen eingebunden.

## Begründung
- einheitlicher Betrieb
- bessere Automatisierung
- einfachere Skalierung
- kontrollierte Migration statt Big Bang

## Konsequenzen
- Plattformteam betreibt Namespaces, Quotas, Policies und Monitoring.
- Anwendungsteams liefern Container, Manifeste, Health Checks und Runbooks.

Typische Stolperfallen

  • Infrastruktur nur als Serverliste betrachten.
  • Kein gemeinsames Zielbild zwischen Entwicklung, Betrieb, Security und Netzwerk.
  • Fachliche Kritikalität nicht in Betriebsanforderungen übersetzen.

Prüf- und Verständnis-Checkliste

  • Jede kritische Anwendung hat Serviceklasse, Owner und RTO/RPO.
  • Jede Plattformkomponente hat Monitoring und Runbook.
  • Änderungen sind nachvollziehbar versioniert.

Merksatz

Enterprise-Regel: Eine Infrastrukturkomponente ist erst fertig, wenn sie fachlich begründet, automatisiert, beobachtet, geschützt, dokumentiert und wiederherstellbar ist.