Kapitel 06 · DI
Jakarta Contexts and Dependency Injection CDI
Container-gesteuerte Objektlebensdauer, Injection, Qualifier, Producer und Events.
Fachliche Einordnung
Jakarta Contexts and Dependency Injection CDI ist im Enterprise-Kontext kein isoliertes Thema. Es beantwortet die Frage, welche Verantwortung an welcher Stelle im System liegen soll. In einem Order-&-Billing-System entscheidet diese Ebene darueber, ob eine Bestellung nachvollziehbar angenommen, validiert, persistiert, abgerechnet und an Partner- oder Legacy-Systeme weitergegeben werden kann.
Eine typische Enterprise-Anfrage beginnt nicht im Service, sondern bereits am Rand: Reverse Proxy, TLS, Authentifizierung, Filter, Korrelation, Payload-Grenzen und Mapping muessen als zusammenhaengende Strecke verstanden werden. Jakarta trennt diese Zustaendigkeiten bewusst: Servlet behandelt den HTTP-Unterbau, REST modelliert Ressourcen, CDI verbindet Objekte, Validation prueft Eingaben und JTA sichert Konsistenz.
Quellenanker: offizielle Jakarta- und MicroProfile-Spezifikationsseiten; Details siehe .
Technisches Modell
Das wichtigste mentale Modell lautet: API und Implementierung sind getrennt. Jakarta definiert Standards und Annotationen; die konkrete Runtime oder Library liefert das Verhalten. Dadurch kann dieselbe Fachidee auf Open Liberty, WildFly, Payara, TomEE, GlassFish oder in cloud-nativen Frameworks unterschiedlich betrieben werden.
Ausfuehrliches Beispiel
@Qualifier
@Retention(RUNTIME)
@Target({TYPE, METHOD, FIELD, PARAMETER})
public @interface ExternalFraudCheck {}
@ApplicationScoped
@ExternalFraudCheck
public class HttpFraudClient implements FraudClient {
public FraudDecision check(CustomerId customerId, Money amount) {
return FraudDecision.accepted("score-ok");
}
}
@ApplicationScoped
public class CheckoutService {
@Inject @ExternalFraudCheck FraudClient fraudClient;
@Inject Event<OrderAccepted> orderAccepted;
@Transactional
public OrderId checkout(CheckoutCommand command) {
fraudClient.check(command.customerId(), command.total()).rejectIfNecessary();
OrderId id = OrderId.newId();
orderAccepted.fire(new OrderAccepted(id, command.customerId()));
return id;
}
}
Typische Fehler und bessere Variante
1. Fachlogik im technischen Adapter
Besser: Resource, Servlet oder Listener nur als Adapter nutzen. Die Entscheidung liegt in Application Service und Domain-Modell.
2. Zu breite Transaktion
Besser: Transaktionsgrenzen am Use Case schneiden, externe Calls ausserhalb oder ueber Outbox/JMS entkoppeln.
3. Provider-Magie ohne Dokumentation
Besser: Jede Implementierungsentscheidung in README, ADR oder design-patterns.md vermerken.
4. Keine Betriebsdiagnose
Besser: fachliche IDs, Trace-ID, Health Checks und technische Metriken von Anfang an einbauen.
Praxis-Checkliste
- Typ klar markiert: Spezifikation, Framework, Library, Runtime oder Methodik.
- Codebeispiel trennt Adapter, Application Service, Domain und Infrastruktur.
- Fehlerfall, Security und Transaktion sind erkennbar.
- Migration von Java EE zu Jakarta EE wurde beachtet.
- Teststrategie mit Unit-, Integration- oder Container-Test ist ableitbar.