Praxis: Enterprise-Referenzarchitektur von Portal bis Datenbank
Dieses Kapitel verbindet alle Bausteine: Ein Kundenportal nutzt APIs, Messaging, Datenbanken, Batch, Observability, Security, GitOps und DR über eine moderne Enterprise-Infrastruktur.
Szenario
Ein Unternehmen betreibt ein Kundenportal, eine Order API, Billing, Partner-Schnittstellen, Reporting und Batchverarbeitung. Teile laufen auf VMs, neue Services auf OpenShift/Kubernetes, Datenbanken auf spezialisierten Plattformen, Integration über Messaging und APIs.
Fachlicher Ablauf
Kunde bestellt im Portal. Das Portal ruft die Order API auf. Die Order API validiert, schreibt in eine Datenbank, publiziert ein Event, Billing verarbeitet später die Abrechnung, Reporting liest konsolidierte Daten.
Technische Abbildung
DNS und Load Balancer veröffentlichen das Portal. Firewall und API-Gateway kontrollieren Zugriffe. OpenShift betreibt Portal und Order API. Messaging entkoppelt Billing. Datenbanken nutzen Gold-Storage und Backup. Observability korreliert jeden Checkout. GitOps hält Manifeste versioniert.
Migrationsgedanke
Legacy-Komponenten werden nicht blind ersetzt. Stabil laufende Datenbanken können zunächst bleiben. Neue APIs werden um alte Systeme gelegt. Netzwerk, IAM, Monitoring und Backup werden schrittweise harmonisiert.
Entscheidungsmatrix
VM eignet sich für klassische Middleware, Datenbanken oder lizenzgebundene Produkte. Kubernetes eignet sich für horizontal skalierbare Services. Bare Metal eignet sich für spezielle Performance- oder Lizenzanforderungen. SaaS kann sinnvoll sein, wenn Fachlichkeit nicht differenziert.
Ausführliche Beispiele
Gesamtarchitektur als Datenfluss
Client -> DNS -> Load Balancer -> WAF/API Gateway -> OpenShift Route -> Portal Pod
Portal Pod -> Order API Service -> Order API Pods -> DB
Order API -> Event Broker -> Billing Worker
Alle Komponenten -> Metrics/Logs/Traces -> Observability Platform
Git -> Pipeline -> Registry -> GitOps Controller -> Cluster
Backup -> Immutable Storage -> DR Site
Kombinierte Infrastruktur-Entscheidung
workloads:
customer-portal:
platform: openshift
reason: stateless, scalable, frequent releases
order-api:
platform: openshift
reason: container-ready, needs autoscaling and GitOps
billing-engine:
platform: vm
reason: legacy library, scheduled processing, stable release cycle
order-database:
platform: managed-db-or-vm
reason: stateful, strict backup and performance requirements
event-broker:
platform: operator-on-openshift-or-dedicated-vm
reason: depends on enterprise standard and ops maturity
Minimaler Runbook-Ausschnitt
## Checkout-Störung
Symptom: Fehlerrate Checkout > 3% für 10 Minuten.
Prüfen:
1. Dashboard Order Journey öffnen.
2. Trace-ID aus einem fehlerhaften Request nehmen.
3. Order API, Payment Client, DB und Event Broker prüfen.
4. Letzte Deployments im GitOps-Controller prüfen.
5. Bei Deployment-Korrelation Rollback starten.
6. Fachbereich informieren, wenn mehr als 15 Minuten Impact.
Typische Stolperfallen
- Alle Workloads werden aus Prinzip in dieselbe Plattform gedrückt.
- Legacy wird modernisiert, ohne Daten- und Betriebsrisiko zu verstehen.
- Netzwerk- und Security-Teams werden zu spät eingebunden.
- Observability endet an Plattformgrenzen.
- DR betrachtet nur neue Services, nicht abhängige Altkomponenten.
Prüf- und Verständnis-Checkliste
- Für jeden Workload ist die Plattformentscheidung begründet.
- Datenfluss ist dokumentiert.
- Security-Flüsse sind genehmigt.
- Monitoring deckt Ende-zu-Ende-Journey ab.
- Migration hat Zwischenzustände und Rollback-Punkte.
Merksatz
Eine Infrastrukturkomponente ist erst enterprise-tauglich, wenn sie geplant, automatisiert, überwacht, geschützt, wiederherstellbar und fachlich begründet ist.