Navigation
Betriebsmodell / Framework

High Availability, Disaster Recovery und SRE

HA reduziert Ausfallwahrscheinlichkeit. Disaster Recovery reduziert Ausfalldauer und Datenverlust. SRE verbindet Zuverlässigkeit mit messbarer Betriebsdisziplin.

Diagramm High Availability, Disaster Recovery und SRE

Fachliche Perspektive

Nicht jede Anwendung braucht dieselbe Verfügbarkeit. Ein internes Schulungssystem darf vielleicht einen Tag ausfallen. Zahlungsverkehr, Produktion oder Kundenportal brauchen kurze Wiederherstellungszeiten und klare Notfallprozesse.

HA vs DR

HA schützt gegen lokale Komponentenausfälle: Node, Pod, VM, Disk, Netzwerkpfad. DR schützt gegen größere Ereignisse: Standortausfall, Datenkorruption, Ransomware, Fehlkonfiguration, großflächiger Plattformfehler.

RTO/RPO in Architektur übersetzen

RTO/RPO entscheiden über Replikation, Backup-Frequenz, Standortstrategie, Datenbankarchitektur, DNS/Traffic-Switch und Testaufwand.

SRE-Prinzipien

SRE nutzt SLOs, Error Budgets, Automatisierung, Postmortems und Toil-Reduktion. Ziel ist nicht null Fehler, sondern kontrollierte Zuverlässigkeit mit Lernschleifen.

Game Days

Notfallprozesse müssen geübt werden. Ein DR-Plan, der nie getestet wurde, ist eine Annahme, kein Nachweis.

Ausführliche Beispiele

DR-Klassifikation

applications:
  order-platform:
    criticality: tier-1
    rto: 60m
    rpo: 15m
    dr_pattern: warm-standby
    backup: immutable-offsite
    test_frequency: quarterly
  reporting:
    criticality: tier-3
    rto: 24h
    rpo: 24h
    dr_pattern: restore-from-backup
    test_frequency: yearly

Postmortem-Struktur

# Postmortem: Order API Ausfall

## Auswirkungen
- Checkout für 18 Minuten nicht möglich
- 1.240 fehlgeschlagene Anfragen

## Zeitlinie
- 10:02 Deployment gestartet
- 10:07 Fehlerquote steigt
- 10:12 Rollback eingeleitet
- 10:20 Service stabil

## Ursache
Fehlerhafte DB-Migration blockierte neue Schreiboperationen.

## Maßnahmen
- Migrationen vor Produktion mit produktionsnahen Daten testen
- Canary Deployment für Schreibpfade
- Alarm auf steigende Checkout-Fehlerquote schärfen

Failover-Runbook

1. Incident Commander bestimmen.
2. Status von Standort A, Datenbank und Netzwerk prüfen.
3. Freeze für nicht notwendige Changes aktivieren.
4. Datenreplikation bewerten: letzter konsistenter Stand?
5. Traffic auf Standort B umschalten.
6. Smoke Tests ausführen.
7. Fachbereich informieren.
8. Rückschwenk nur nach separater Entscheidung.

Typische Stolperfallen

  • HA wird mit Backup verwechselt.
  • DR-Pläne enthalten keine konkreten Befehle.
  • RTO/RPO werden technisch geschätzt statt fachlich entschieden.
  • Postmortems suchen Schuldige statt Systemursachen.
  • Failover wird nie unter realistischen Bedingungen getestet.

Prüf- und Verständnis-Checkliste

  • Kritikalitätsklassen sind definiert.
  • RTO/RPO sind dokumentiert.
  • DR-Tests finden regelmäßig statt.
  • Postmortems sind blameless und maßnahmenorientiert.
  • Runbooks sind aktuell und auffindbar.

Merksatz

Eine Infrastrukturkomponente ist erst enterprise-tauglich, wenn sie geplant, automatisiert, überwacht, geschützt, wiederherstellbar und fachlich begründet ist.