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Was ist WebSphere eigentlich? Traditionelles WAS vs. Liberty

Status: dokumentiert, nicht live verifizierbar für den traditionellen Teil (keine WAS-ND-Lizenz/-Installation in dieser Umgebung verfügbar) — reiner Orientierungstext, analog zu ../40-bindeglied-dev-ops-db2-netzwerk/00-was-ist-zos.md. Der Liberty-Teil ist in 01-liberty-installation-und-featuremanager.md real verifiziert.

"WebSphere" ist eine Marke, kein einzelnes Produkt

IBM nutzt "WebSphere" seit den späten 1990ern als Dach-Marke für eine ganze Reihe von Middleware-Produkten (u. a. WebSphere MQ, WebSphere DataPower). Für diese Anzeige und dieses Projekt ist ausschließlich WebSphere Application Server (WAS) relevant — und selbst das ist kein einzelnes Produkt, sondern zwei parallel existierende, technisch grundverschiedene Produktlinien, die man klar auseinanderhalten muss.

Zwei Lininen: "traditionelles WAS" vs. Liberty

WebSphere Application Server traditional (Full Profile) WebSphere Liberty
Seit Ende der 1990er (J2EE-Ära) ~2012, als bewusste Kehrtwende
Architekturprinzip Monolithischer, immer voll geladener Server-Stack Modularer Feature-Manager — nur explizit angeforderte Features werden geladen (siehe 01-liberty-installation-und-featuremanager.md)
Konfiguration Verteilte XML-Deskriptoren, gepflegt über Admin Console/wsadmin Eine Datei, server.xml, direkt editierbar
Startzeit Typischerweise 1–2+ Minuten, viele mitgeladene Subsysteme Sekunden bis wenige zehn Sekunden (feature-abhängig)
Administrationsmodell Zentralisiert: Deployment Manager verwaltet mehrere Knoten (siehe unten) Jeder Server administriert sich im Wesentlichen selbst über seine eigene server.xml
Java-Versionsstrategie Sehr konservativ (siehe docs/00-ueberblick/systemlandschaft.md) Deutlich agiler, kontinuierliche Releases
Typischer Neueinsatz heute Eher Bestandssysteme, die (noch) nicht migriert wurden IBMs empfohlener Weg für alles Neue

Für die Anzeige ist das doppelt relevant: sie nennt explizit Liberty (die Zukunftsrichtung), aber ein WAS-Spezialist in einer gewachsenen Bank-IT trifft in der Praxis oft auf beides gleichzeitig — Alt-Anwendungen auf traditionellem WAS, Neuentwicklungen auf Liberty, und gelegentlich Migrationsprojekte dazwischen.

Architektur von traditionellem WAS (zum Wiedererkennen)

Auch wenn dieses Projekt nur Liberty real betreibt, sollte man diese Begriffe im Gespräch einordnen können:

Editionen und Lizenzmodell (grober Überblick)

Edition Charakteristik
WAS Base Einzelner Server, keine zentrale Cell-Verwaltung, kein Clustering
WAS Network Deployment (ND) Volle Cell/Node/Dmgr-Architektur, Clustering — die "Enterprise"-Stufe von traditionellem WAS
Liberty Core Kleinster Liberty-Funktionsumfang (im Wesentlichen Web-/EJB-Lite)
Liberty Base / ND-Äquivalent Erweiterter Funktionsumfang, entspricht in etwa dem, was traditionelles WAS Base/ND abdeckt
Open Liberty Der komplette, quelloffene Kern ohne IBM-Lizenz/-Support/-Semeru-Bundling — was dieses Projekt tatsächlich verwendet, siehe 01-liberty-installation-und-featuremanager.md

Der Lizenz-/Editionsunterschied ist in echten Kundenumgebungen keine akademische Frage — welche Features genutzt werden dürfen (z. B. bestimmte Cluster-/Failover-Funktionen) hängt direkt an der lizenzierten Edition, und das ist typischerweise etwas, das der WAS-Admin im Blick behalten muss, nicht nur die Einkaufsabteilung.

Warum dieses Projekt trotzdem (fast) nur Liberty zeigt

Die Anzeige nennt explizit Liberty, und IBMs eigene strategische Richtung geht seit Jahren eindeutig in Richtung Liberty (siehe Java-Versionsstrategie oben). Die traditionelle WAS-Architektur hier zu betreiben würde eine kommerzielle Lizenz und einen deutlich schwereren Infrastruktur-Aufbau (Dmgr + mehrere Node-Profile) erfordern, ohne zusätzlichen Erkenntnisgewinn für die eigentlichen Anzeigen-Punkte. Dieses Dokument existiert trotzdem, damit die Begriffe (Cell, Node, Dmgr, Cluster, IHS/plugin-cfg.xml, wsadmin) im Gespräch nicht fremd klingen, falls die reale Zielumgebung (teilweise) noch traditionelles WAS einsetzt.

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