Status: dokumentiert, nicht live verifizierbar — reiner Grundlagen-/Orientierungstext. Kein Anspruch auf Mainframe-Operator-Tiefe, sondern genug, um im Gespräch mit dem DB2-for-z/OS-/Mainframe-Team nicht bei null anzufangen. Baut auf
01-db2-fuer-zos-und-mainframe-grundlagen.mdauf bzw. geht diesem inhaltlich voraus.
z/OS ist IBMs Betriebssystem für System z-Mainframe-Hardware — kein Linux, kein Unix im klassischen Sinn, auch wenn es POSIX-Schnittstellen (USS, siehe unten) mitbringt. Wer aus der Linux-/Windows-Welt kommt, stolpert typischerweise über vier Dinge:
/home/user/datei.txt. Stattdessen
Datasets mit eigener Namenskonvention (HLQ.MITTLERE.QUALIFIER.ENDUNG, alles in
Großbuchstaben, Punkte als Trenner) und festen Organisationsformen — sequenziell (PS),
partitioniert (PDS/PDSE, ähnlich einem Ordner mit "Members" darin) oder VSAM
(indexbasierter Zugriff, u. a. die Grundlage für viele Kernbanksysteme). Ein WAS-Admin muss
diese nicht selbst verwalten, sollte aber verstehen, warum ein Mainframe-Kollege von
"Datasets" statt "Dateien" spricht.01-db2-fuer-zos-und-mainframe-grundlagen.md)
übernehmen die Konvertierung automatisch, aber bei Datei-/Batch-basiertem Datenaustausch
(siehe Punkt 4) ist EBCDIC-vs-ASCII ein sehr realer Fehlerquell, den man kennen sollte.| Zugang | Wofür | Relevanz für WAS-Admin |
|---|---|---|
| TSO/ISPF | Interaktiver, menübasierter Terminal-Zugang für Mainframe-Personal | Selten selbst genutzt, aber der Ort, an dem das DB2-/Mainframe-Team arbeitet — hilfreich zu wissen, wenn man Screenshots/Log-Auszüge von dort bekommt |
| DDF (Distributed Data Facility) | TCP/IP-JDBC-/ODBC-Zugriff auf DB2 for z/OS | Der Weg, den concordia-portal nutzt, siehe 01-db2-fuer-zos-und-mainframe-grundlagen.md |
| z/OS Connect EE | Moderner, REST/JSON-basierter API-Zugang zu z/OS-Programmen (CICS, IMS, Batch) — Alternative zu direktem JDBC | Relevant, falls die Kernbank-Anbindung nicht nur über DB2, sondern auch über CICS-Transaktionen läuft — dann ist z/OS Connect EE oft der modernere Integrationsweg statt eigener Legacy-Protokolle |
| USS (Unix System Services) | POSIX-kompatible Schicht innerhalb z/OS | Erlaubt z. B. das Ausführen von Shell-Skripten auf z/OS — die "Brücke" zwischen klassischem Mainframe-Denken und der Unix-/Linux-Welt |
| FTP/Connect:Direct | Datei-/Dataset-basierter Massendatenaustausch | Klassischer Weg für große Batch-Datenlieferungen zwischen dezentral und zentral — hier potenziell die EBCDIC-Falle aus Punkt 3 oben |
Nicht jede Kernbank-Logik steckt in DB2-Tabellen — CICS (Customer Information Control
System) und IMS (Information Management System) sind eigene z/OS-Transaktionsmonitore, unter
denen viel gewachsene Kernbank-Logik als eigenständige Programme läuft (nicht nur als
Datenbanktabellen). Falls concordia-portal künftig nicht nur Daten lesen, sondern eine
Geschäftstransaktion auf dem Kernbanksystem auslösen müsste, wäre nicht JDBC/DDF der
richtige Weg, sondern eher z/OS Connect EE (siehe Tabelle oben) oder eine
CICS-Web-Services-Anbindung — ein wichtiger Unterschied, den man als WAS-Admin kennen sollte, um
nicht reflexhaft "dann bauen wir eine JDBC-Verbindung" vorzuschlagen, wenn eigentlich eine
Transaktion ausgelöst werden soll.
01-db2-fuer-zos-und-mainframe-grundlagen.md
erwähnt den Sysplex im DB2-Kontext (Data Sharing Group) — der Sysplex selbst ist aber ein
allgemeines z/OS-Konzept: mehrere gekoppelte z/OS-Systeme (Parallel Sysplex), die sich
Workload, Daten und Verfügbarkeit teilen, verbunden über eine Coupling Facility
(spezialisierte Hardware/Firmware für gemeinsam genutzte Datenstrukturen zwischen den
Sysplex-Mitgliedern). Das ist die Mainframe-Antwort auf dieselbe Grundfrage wie die
Liberty-HA-Demo in docs/70-high-availability/ — "mehr als eine
Instanz, damit ein einzelner Ausfall nicht alles lahmlegt" — nur auf einer ganz anderen
technologischen Ebene und mit jahrzehntelang gewachsener, sehr ausgereifter Umsetzung.
Diese Grundlagen sind kein Selbstzweck — sie erklären, warum die in
02-der-bindeglied-prozess.md beschriebenen Abläufe so
formell/langsamer wirken als im eigenen dezentralen Umfeld: andere Betriebskultur (Change
Control historisch sehr strikt, da eine einzelne z/OS-Instanz oft geschäftskritische Workloads
vieler Anwendungen gleichzeitig trägt), andere Fehlerbilder (EBCDIC-Konvertierung,
Batch-Fenster-Abhängigkeiten), andere Ansprechpartner-Struktur (TSO/ISPF-Nutzer statt
Linux-Shell-Nutzer). Wer diesen kulturellen/technischen Unterschied versteht, wirkt im Gespräch
mit dem Mainframe-Team nicht wie jemand, der "nur Java kennt".